Gesund statt chronisch krankBericht über ein neues Buch von Dr. med. Joachim Mutter:

Gesund statt chronisch krank! – Der ganzheitliche Weg – Vorbeugung und Heilung sind möglich

(fit fürs Leben Verlag, ISBN 978-3-89881-526-0, 456 Seiten, Preis: 29,90 €)

Von Dr. med. dent. Claus Scheingraber

Das Buch von Dr. med. Joachim Mutter stellt jeden Kriminalroman in den Schatten. Nachdem ich angefangen hatte zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören; 18 Stunden war ich für meine Umwelt nicht mehr ansprechbar. Ein immenses und fesselnd ausgebreitetes ärztliches Wissen nahm mich gefangen.

Ich betreibe seit 25 Jahren eine umweltorientierte Zahnarztpraxis und versuche den umweltmedizinisch tätigen Kollegen die Zusammenhänge von mechanischen, chemischen und physikalischen Umweltverschmutzungen nahe zu bringen, oft mit nur mäßigem Erfolg. Das Spezialgebiet des Arztes Mutter ist die physikalische Umweltverschmutzung, eingebettet in die Optik einer integrativen Medizin, die gerade auch dem Zusammenwirken des meist getrennt Gesehenen nachspürt – ein seit Langem ersehnter Durchbruch, ja eine umweltmedizinische Offenbarung. Mitunter erscheinen einem die aufgezeigten Zusammenhänge von Umweltverschmutzung und Erkrankungen auf den ersten Blick nahezu unglaublich, bis sie sich beim weiteren Lesen in ihrer schlüssigen Logik offenbaren, die auch durch die Behandlungserfolge bestätigt wird. Fern aller Spekulation und Esoterik argumentiert Mutter dabei stets auf der Grundlage einer naturwissenschaftlich fundierten Medizin. Doch die Stärke dieser Medizin liegt darin, dass sie Bekanntes und Neues, nahe Liegendes und scheinbar Entlegenes zu einem medizinischen Kosmos vereint, der neue therapeutische Wege ermöglicht.

ScheingraberDas Buch ist in einem allgemein verständlichen Stil geschrieben, daher auch für Laien gut lesbar. Selbst unvertraute Fachbegriffe stören den Lesfluss nicht. Für den gesundheitlich Interessierten ist nicht so sehr das fachliche Detail als der gebotene Einblick in die aufgezeigten Wechselwirkungen unterschiedlicher Bedingungsfaktoren entscheidend. Die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und medizinischen Auswirkungen werden brillant herausgearbeitet und verifiziert. Viele glauben noch immer, Umweltbelastungen hätten keine oder doch nur geringe medizinische Konsequenzen. Wer sich der ganz anderen Botschaft dieses Buches stellt, hat auch ein neues Verständnis dafür gewonnen, wie weit Gesundheit, Gesundheitskosten und letztlich auch Volkswirtschaft von einer gesunden Umwelt abhängen.

Gesund statt chronisch krank ist in 2 Teile gegliedert. Teil I beschäftigt sich vor allem mit den krankmachenden Umweltfaktoren, während Teil II die diagnostischen Möglichkeiten aufzeigt und die therapeutischen Ansätze beschreibt. Therapieauszüge und Fallbeispiele erläutern das zuvor allgemein Ausgeführte. Im Anhang finden Fachleute wie Laien eine Liste von Adressen, die regionale Ansprechpartner vermitteln. Sie könnte im Interesse Betroffener noch weiter ausgebaut werden.

Das Buch verweist immer wieder auch auf die gesellschaftlichen Hintergründe der Probleme. Dass wir mit so vielen Arten der Umweltverschmutzung zu kämpfen haben, geht zu erheblichen Teilen auf die Profitgier von Konzernen, Interessenverbänden und den Einfluss beider auf die Politik zurück. Die Folgen zeigt Mutter vor allem am Beispiel Quecksilber (Hg). Diesem Stoff von höchster Giftigkeit werden bis heute einträgliche Domänen der alltäglichen Anwendung gesichert. Das Geschäft mit dem Quecksilber blüht, weil zu viele daran verdienen – aber es blüht zu Lasten der Bevölkerung. Es gehört zu den bedrückenden Erkenntnissen, die das Buch vermittelt, dass auch dem Staat die Sicherung ökonomischer Interessen wichtiger ist als die Gesundheit seiner Bürger.

Dem Leser des Buches wird gezeigt, dass ihm die Schulmedizin auf vielen Gebieten nicht mehr helfen kann, was ihm aber auch eine neue Mitverantwortung für seine Gesundheit zuspielt. Mutter gehört zum kleinen Kreis der Umweltmediziner, die unmissverständlich und überzeugend aussprechen, dass die physikalische Umweltverschmutzung zu den bedeutsamen umweltmedizinischen Größen gehört, auch dass sie chemische Belastungen häufig potenziert. Leider beschränkt er sich dabei auf die hochfrequenten Belastungen. Für eine Neuauflage des Buches darf man schon heute den Wunsch vorbringen, dass auch den niederfrequenten und statischen Feldbelastungen die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Die diagnostischen Möglichkeiten der Umweltmedizin haben stetig zugenommen. Doch in Gesund statt chronisch krank finden auch erfahrene und seit Langem umweltmedizinisch tätige Kollegen reiche Hinweise ihr Tun zu ergänzen oder zu überdenken. Das gilt für die theoretischen Teile ebenso wie für das Kapitel Therapieauszüge und Fallbeispiele.

„Neue Erkenntnisse in der Ernährung“ runden das Buch sinnvoll ab. Fachleuten wie Laien werden hier vielfältige Anregungen geboten, wie man durch eine ausgewogene und vitalstoffreiche Kost zum Erhalt der Gesundheit beitragen kann.

Das Buch Gesund statt chronisch krank! sollte Pflichtlektüre für Umweltmediziner werden. Das Wissen, das Kollege Mutter darin zugänglich macht, steht ähnlich bisher an keiner Medizinischen Fakultät zur Verfügung. Das könnte beitragen, ihn weiteren Anfeindungen auszusetzen. Als Semmelweiß 1848 das Händewaschen am Allgemeinen Wiener Krankenhaus zur Pflichthygiene machte, verlor er seinen Klinikposten. Mutter hat diese Erfahrung schon hinter sich und sich selbständig gemacht. Was der Universitätsmedizin mit solchen Ausgrenzungen verloren geht, können nur diejenigen richtig einschätzen, die die immer deutlicher werdenden Grenzen der Schulmedizin erkennen. Mutter auf einem Lehrstuhl für Umweltmedizin: Wäre das nicht der Beginn eines längst überfälligen Aufbruchs in eine neue Zukunft auch unserer Universitäten? Wir wünschen ihn uns. Mutters Buch ist mehr als eine der üblichen Habilitationsschriften!

 

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